Ein beträchtlicher Teil unseres p.t. Publikums klagt regelmässig, dass unsere Konzerte so oft so spät anfangen. Die meisten Gigs starten erst um 21:00, oft erst noch eine Stunde später.

Ich selber geb zu, auf viele promising events nicht zu gehn, weil ich am nächsten Tag früh aufkriechen muss (ja, wir sprechen da von 5:30 :((). Und für mich G’scherten vom Land ist die leere Zeit zwischen Ende Arbeit und Anfang Konzert sowieso nicht leicht zu überbrücken.

Weil die Fünfuhrtees im Pfarrheim, waren die so übel? Drinnen Musik und Hoppsen, draussen Trallala und Sonstwas im Abendlicht, das hatte doch was?

Ja, das hatten was. Aber hochverehrte FreundInnen des Fünfuhrtees im Pfarrheim, bei aller Liebe: des ged afoch ned. Erstens hat ein beträchtlicher Teil unseres Publikums keine Ahnung, was ein Fünfuhrtee ist (war) oder was ein Pfarrheim ist (war). Die hipperen Lokale füllen sich einfach erst ab 22:00 – also um neun anzufangen ist eh schon ein Kompromiss. Und zweitens, in eigener Sache: wir haben vor jedem Konzert zwei bis drei Stunden Stress beim Aufbauen, Soundcheck, Pannen bereinigen, Schönmachen — spätestens beim Eintreffen der ersten Fans muss alles fertig und wir von der Bühne sein. Früherer Konzertbeginn heisst für uns daher: Urlaub nehmen.

Also, Fünfuhrtee-Afficionados: make this world a better place und veranstaltet’s doch einfach ein paar Fünfuhrtees. Wir kommen und spielen gern, müssen uns halt dafür Urlaub nehmen (nicht vergessen, ihr müssts uns spätestens um 13:30 zum Aufbauen reinlassen, gell?). Seid’s halt nicht enttäuscht, wenn das Publikum eher uncool und tendenziell unjugendlich ist.

Miassn de eigentlich nix hackln muagn? Keine Ahnung. Frag ich mich auch immer.

der Homepage-Hanse

seit tagen arbeit ich an den lyrics einer neuen nummer. ein cover von “Compared to what” soll’s werden: groovt hölle, technisch nicht anspruchsvoll, klasse zum live spielen. das original geht so:

textlich ist die nummer irgendwas verschwurbelt protestliches, traut sich aber nie konkret aus der deckung heraus. pop-mainstream halt, die wollten geld verdienen und keinen verprellen. aber wurscht: der song ist kräftig, wütende farben – wie gemacht für für klare worte.

und klare worte sind notwendig beim grossen heuchelei-thema, mit dem ich seit langem schwanger geh: das “boot-ist-voll”-gelüge. die blanke xenophobie, die als “berechtigte sorgen der bevölkerung” gehandelt wird. der stammtisch, der plötzlich die frauenrechte entdeckt, nur weil draussen ein paar kopftücher vorbeigehen. das diskreditieren von menschen, die das gewollte versagen von politik und verwaltung ausgleichen, usw, usw.

also hingesetzt und die ersten fetzen geschrieben. aber oops?? das sperrt sich ja gewaltig … das will so gar nicht in einen dialekttext hinein. was ist da los? genügend emotion ist da, jede/r ist sofort sehr emotional bei diesem thema. inhaltlich weiss ich genau, wo ich hin will. und die versstruktur des songs bietet deutliche messages sehr an. seltsam.

im wienerischen funktioniert doch so vieles kräftiger und gleichzeitig subtiler als im hochdeutschen. liebe, sehnsucht, schmusiwu zum beispiel. die (sprachlich noch verhaltene) frühe Marianne Mendt und “Wia a Glockn”:

bei “gschichten aus dem wirklichen leben” und witzigen inhalten kommt der dialekt sowieso sehr zu sich. ein beispiel ist natürlich der meistertext von Seiler & Speer “Ham kummst”:

oder “Der legendäre Wixerblues vom 7. Oktober 1976” von Georg Danzer:

oder, weniger bekannt: praktisch alles von Rabouge (da gibt’s leider kaum gute youtubes):

punkto gesellschaftspolitisch funktionieren am ehesten noch die sachen von singer-songwritern, wie zB. vom verehrten Sigi Maron (“Ballade von aner hortn Wochn”):

aber polit-lyrics und wienerisch zicken grauslich miteinander. warum?

eine antwort ist sicher, dass viele prägnante begriffe nicht ohne schmerzen in dialekt umgelautet werden können (also wie zB. aus “Sprache” die “schbroch” wird), sondern nur hochdeutsch funktionieren: “Heuchelei”, “Recht auf Asyl”, “Menschenrechtskonvention”. noch schlimmer: “Xenophobie”. nein, geht gar nicht, jedenfalls nicht ohne tricks.

aber nach einigem grübeln halt ich für den eigentlichen grund, dass wir dem dialekt so ernste kost nicht zutrauen. blumige gefühle, blödeleien, nostalgie, und sowieso das prollige: das ist das reservat des (gesungenen) wienerisch geworden. die klaren worte, die politische wut, die intelligente kritik drängen ins hochdeutsche oder gar englische. die klingen auf wienerisch ziemlich falsch, der sound stimmt irgendwie nicht, ohne dass man genau sagen könnte wieso.
wie zwei farben, die einfach nicht zueiander passen.

verdammt!!

der Homepage-Hanse